Donnerstag, 17. Januar 2019

Mord im Kaufhaus.

Kleiner Auszug aus dem blutigem Anzugskauf heute Abend.

In naher Zukunft wird geheiratet. Nein, nicht ich schon wieder. Sehr gute Freunde von uns. Das wiederum macht es notwendig, dass unbedingt ein nigelnagelneuer Anzug hermuss. Natürlich noch heute. Wann auch sonst? Kurzum, die Liebste von Arbeit abgeholt und fix um die Ecke an die nächstmögliche Klamottenrampe gefegt. Piep & Beklopptenburg heißt die Stoffbude. Rinn, hoch in die 2 Etagen und ab in die Jackett- und/oder Hosenabteilung. 

Ein schnittiger (Schrägstrich) stylischer Verkäufertyp, der offensichtlich aus beruflichen Gründen ganztägig im Anzug rumlaufen muss, scannt mich mit geschultem Blick. „Einmal ein Anzug in Fett bitte und bitte nicht in Blau. Blau tragen sie jetzt alle. Und ich bin nicht alle.“ schnalz ich ihm an seine fein gestriegelte Föhnfrisur. Das erste gereichte Jackett passt. Der Mann ist gut. Okay. Und nun noch eine Hose.

Doch was ist das? Quer durch den Laden schlängelt sich eine feuerrote Blutspur. Meine Augen versuchen den Ursprung des Massakers zu erspähen. Die Spur kam aus Richtung Rolltreppe. Windete sich um ein paar Kleiderständer und endete ... und endete ... und endete genau unter dem schwarzen Einkaufsbeutel meiner Frau.

Oh Gott, sie hat doch wohl nicht Arbeit mit nach Hause genommen?! Den Kopf eines schwierigen Kunden? Oder eines aufmüpfigen Kollegen? Wohlmöglich hat sie ihren Chef ...

„Scheiße ... meine Himbeeren tauen auf.“ jauchzt sie blass dreinblickend. Hat sie doch während ihrer Mittagspause tiefgefrorene Himbeeren gekauft, die natürlich noch am selben Abend verwertet werden sollen. Mit dem Spontanauftau hat se aber nicht gerechnet. Nun denn.

Es zeigte sich, dass Mr. Verkäufer auch immer ein paar Plastiktütchen hinterm Ladentisch parat hat. Meine Holde hat sich dann noch direkt mit den guten Tempotaschentüchern als Tatortreiniger vertickert. Schon verrückt so ein Shoppingtripp.

Ach ja, und einen kompletten Anzug haben wir dann auch noch käuflich erworben. Muss nur noch etwas eingekürzt werden. Hauptsache es fließt dabei kein Blut.

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Ende 2017

Über das Phänomen der Vorweihnachtszeit, über einen Anruf und über den Abschied für immer.

Zurückblickend sind die letzten Monate ... nein, ist das letzte Jahr, wie im Fluge vergangen. Ach was rede ich? Jahr um Jahr scheint die Zeit schneller davon zu rasen. Kaum hat man sich an die aktuelle Schreibweise des Datums gewöhnt, ist diese wieder hinfällig. Und wie eh und je endet so ein Flitzejahr mit der Vorweihnachtszeit. Und meine Vorweihnachtsroutine beginnt.

Ende November starten meine beiden Frauen, mit der spontanen Idee und deren direkten Umsetzung, binnen von Minuten, die Wohnung in ein Meer von Weihnachtsmannfiguren zu tauchen. Anderthalb Wochen später, so um meinem Geburtstag herum, wird dieses Bild dann mit einem Weihnachtsbaum komplettiert. Das ist dann mein Job. Und der ist in diesem Jahr leider ausgeblieben. Zeitmangel, Bequemlichkeit und die Tatsache, dass wir an Weihnachten an sich gar nicht daheim verweilen werden, hat die Weihnachtsbaumkaufundschmückaktion hinfällig gemacht. Mein Problem? Weihnachten und die damit einhergehende Stimmung wollen sich einfach nicht einstellen. Da hilft auch nicht die bunt zusammengewürfelte Playlist an entsprechendem Liedgut weiter, welche auf Arbeit, im Auto und daheim in der Endlosschleife dudelt. Nix. Kein Herzerwärmendes Miteinander. Kein Reflektieren des scheidenden Jahres. Kein "ich freue mich drauf". Und ich will es doch unbedingt. Was auch immer das nun ist.

Und dann kam dieser Anruf. Einer der Unseren ist unerwartet nach schwieriger OP, Koma und noch im Krankenhaus verstorben. Und plötzlich ist alles belanglos. Absurd scheint das eben noch ersehnte, nicht greifbare Weihnachtsding nunmehr null und nichtig geworden zu sein. Abrupt bleibt die Zeit stehen. Für ihn, für meine Familie, für mich.

Gestern war die Beisetzung. Viele Menschen waren gekommen. Viele Gesichter, in die ich lange nicht mehr sah. Wiederum viele Menschen, die ich nicht kannte und wohl auch nie kennenlernen würde. Einmal mehr wurde mir bewusst, dass ich auch ihn viel zu wenig kannte. Dieser Mensch war ein Teil meiner, einer großen Familie und doch war er weit, weit weg von meinem Leben und meinem Alltag. Und nun all diese Menschen zu sehen, die sich zusammengefunden hatten, um ihm ein letztes Mal "Machs gut" zu sagen, dass tat verdammt nochmal weh. Und ich schämte mich. Nicht für die Tränen. Ich schämte mich dafür, dass ich viel zu wenig Lebenszeit mit ihm teilte.

Sich einmal weniger den Routinen ergeben. Weniger in unnützen Schubladen wühlen. Dafür einmal mehr sein Umfeld wahrnehmen. Die eigene Familie und auch darüber hinaus. Ausbrechen aus dem Trott, dem gewohntem Etwas. Es ist so simpel und an und für sich gar nicht schwer. Während wir irgendwelchen Schemata folgen oder gar nachhetzen, verlieren wir den Sinn für das Wesentliche, für das Wir in uns. Der Rest kommt dann von ganz alleine. Also auch das Weihnachtliche, das Besinnliche und all die anderen ersehnten Stimmungen, nach denen wir uns so verzerren.

Machs gut Wolle und danke dafür, dass du ein Teil meiner Familie warst und es auch immer bleiben wirst.

Mittwoch, 27. September 2017

Nur einen Wunsch frei?

Noch in diesem Jahr reiße ich die magische Vierzig. Ganz ehrlich, so magisch finde ich die gar nicht. Wer mich halbwegs gut kennt und meine Gegenwart mitunter auch alltäglich ertragen muss/darf, der weiß, dass ich mir aus meinem Geburtstag nichts mache. Gar nichts. Das war nicht immer so. Es ist über die Jahre gewachsen. Quasi „Erkenntnis im Alter“. 😋
Okay, ich versuch mich mal zu erklären.
Partys feiern, sich auch einmal gehen lassen, frei mit der Familie und den Freunden jeden einzelnen Augenblick genießen, das kann ich gut. Vielmehr noch - ich liebe es. Und Gründe zum Feiern finden sich bekanntlich zur Genüge. Hier ein paar Beispiele: Der erste Wackelzahn, Pfingsten in Sabel, Yankee Duftkerzen, unerwartete Steuerrückzahlungen, das An- und Abgrillen (meistens an ein und demselben Tag), lang ersehnte Projektabschlüsse, Entrecote im Angebot, zu kurze Röcke, standhafte Reissäcke in China, Filmklassiker mit Bud Spencer und Terence Hill, leere und somit freie Straßen, feuchtfröhliche Firmenveranstaltungen, Fynn Kliemann auf YouTube, die jährliche Herrentagstour, Stracciatella Eis, Elternabende in der Schule, der Typ mit dem Laubbläser, wahnwitzige Kommunalpolitik, schlagfertige Retourkutschen meiner Tochter, die ersten Dritten und dazu das passende Wasserglas auf dem Nachttischchen und, und, und … .
Und natürlich liebe ich es auch im Mittelpunkt zu stehen. Ich bin ein Klassenclown. Das kann und will ich nicht leugnen. Dazu stehe ich auch. Rumalbern, klugscheißen, fachsimpeln, labertieren, frech und auch mal obszön sein – all das bin ich. So kennt man mich.
Für meinen Geburtstag kann ich jedoch nichts. Schließlich liegt es nun mal in der Natur zu altern. Und dass jederzeit. Jeden lieben langen Tag, jede einzelne Stunde, Minute, Sekunde, jeden Augenblick. Geburtstag haben ist demnach keine Leistung. Und darum wünsche ich mir, dass, wenn dieser eine Tag im Jahr gekommen ist, wir alle einfach so tun, als wäre es ein ganz normaler Tag. Und wer dann doch unbedingt muss, der darf meiner Mutsch, meiner Frau, meiner Lütten und meinen Freunden und Kollegen zu diesem Tag gratulieren. Dazu, dass sie es mit mir so lange ausgehalten haben.
Genau das wünsche ich mir.
[Nachtrag: Gefeiert wird natürlich trotzdem. Irgendwann später dann. Versprochen.]

Sonntag, 11. Juni 2017

Ohne Ausreden

Ein Kerl wie ein Baum, sagt man. Grau im Ansatz, aber noch keine 40. Es sind angenehme 26 Grad an diesem Sommerabend und es pieselt, regnet auf ihn herab. Ihm ist es egal. In der Hand hält er einen Plastikbecher voll mit frisch gezapften Bier. Und so steht er nun da. Mit offenem Mund. In dieser riesigen Arena. Ihm wird schlagartig klar, dass er auf diesen Moment irgendwie 25 Jahre gewartet hat. Es sollte nicht früher sein. Keine Zeit, zu weit weg, gerade keine Kohle. Gründe! Ausreden? Melancholie will sich breit machen, doch dann setzt der erste Ton ein. Gänsehaut, wie er sie lange nicht mehr gespürt hat. Jede Faser, jede Zelle, jede Schuppe seines Körpers scheint zu brennen.

„Going Backwards“ und er ist mehr als nur dabei. Seine Kindheit, seine Jugend, seine Erinnerungen – der Beat, der Sound, er spürt die Musik und seine Gedanken gehen rückwärts.

23 Uhr. Stunden später. Der letzte Song halt noch nach. Ende, aus, es ist vorbei. Und es fühlt sich direkt so surreal, so unwirklich an. Er weiß, dass es keine weiteren 25 Jahre des Wartens geben wird. Alt sind sie geworden. Ewig wird es nicht so weitergehen. Die kommende Tour wird anvisiert. Definitiv und ohne Ausreden.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Hate(n) like the hazelnuts ...

Facebook, Twitter, Instagram und Co.,
News, Stories, viel Bling-bling und Show.
Für mich sind diese sozialen Medien mittlerweile genau so wichtig, wie das täglich Brot. Weil schnell zu erfassen, nach meinen Interessen filterbar und durchaus auch mal ganz fix referenzierbar.
Ich bin kein Kind der ersten Stunde, aber schon so lange dabei, dass ich die verschiedensten Trends und Entwicklungen in den Netzwerken miterlebt habe. Und schon ziemlich lange und mit zunehmender Intensität stelle ich fest, dass der Volkssport, das Haten [englisch - hassen] ungeahnte Dimensionen angenommen hat.
Unsagbar viele Menschen, die früher noch versteckt hinter Pseudonymen durch die Gegend pöbelten, scheuen jetzt nicht mal mehr davor zurück unter ihrem Klarnamen alles und jeden im Netz zu deformieren. Ich frage mich schon seit langem, woher diese Unart und deren Härte herrührt.
Bitte nicht falsch verstehen. Eine Meinung zu haben ist selbstverständlich wichtig und sie zu vertreten ist etwas durchaus Gutes. Aber sie sollte mit Worten und Inhalten ausformuliert sein, die man sich auch selbst gefallen lassen möchte.
Stumpfsinniges Gepöbel, Beleidigungen, die weit unter die Gürtellinie gehen ... haben denn so viele Menschen da draußen keine gute Schule genossen?
Mich ekelt das an.
Ja klar, auch ich bin nicht immer frei von Kritik und auch mal dem einem oder anderem barschen Wort, aber beleidigen, dass muss nun wirklich nicht sein.
Das hab ich euch mitteilen wollen, weil mir das schon lange unter den Fingernägeln brennt. Und nun habt euch alle liebt oder argumentiert mit konstruktiver Kritik.
Danke 

Donnerstag, 14. Juli 2016

Das feine Netz

Die spinnt doch total. So ein verrücktes Vieh. Ich werd noch ganz kirre. Du fragst dich, von wem ich da rede? Ach so, ja ... na von der kleinen Spinne, die irgendwo in meinem Motorrad wohnt.

Jeden Tag, wenn ich zu meinem motorisierten Untersatz komme, hat diese kleine Spinne ein süßes kleines Netz an meinen Lenker dran gehäkelt. Jedes Mal denke ich dann: "Mensch Spinne, strick deine Fäden doch woanders. An dem großen Ast vom Apfelbaum gleich gegenüber zum Beispiel oder dort drüben in der Hecke." Und ja, jeden Tag zerstöre ich ihr Nachtwerk. Und jeden Tag fällt es mir ein wenig schwerer ihr Netz wieder aufs Neue einzureißen. Es gehört einfach nicht dort hin. 

Und heute? Früh hatte ich ihr Netzwerk entfernt und dann ... Stunden später, ich kam gerade von der Arbeit, um nach Hause zu cruisen und staunte nicht schlecht. Jetzt hatte die kleine Spinne neben ihrer tagtäglichen Nachtschicht auch noch eine zweite Tagschicht eingelegt. "Ich gebe mich geschlagen." hab ich ihr gesagt. Zusammen mit der kleinen Spinne und ihrem kleinen, feinen Netz an meinem Lenker, ging es dann nach Hause.

Aber nur dieses eine Netzchen. Mehr is nich drin. Du kleine verrückte Spinne.

Dienstag, 28. Juni 2016

Der kleine Spatz

Ich habe heute mit einem Spatz gesprochen. Eigentlich textete ich ihn nur stumpf zu, während er emsig kleine Zweige zusammentrug. Mir schien, er war dabei sein Nest auszubessern. Ich flüsterte ihm zu, dass er gut dran sei.

Woanders rasseln die Menschen wie blöde mit den Säbeln, als wüssten sie es nicht besser. Dummbratziges Pack, getrieben von Machtgeilen und Geldgierigen Wenigen, die weit weg von den zahllosen Kriesenschauplätzen ausharrten bis sich das niedere Bauernvolk auf deren Geheiß hin die Köpfe einschlägt. 

Kurz, so schien es mir, hatte ich die ungeteilte Aufmerksamkeit von dem kleinem Federviech. Doch dann widmete er sich wieder seiner Rohstoffsuche. Du ignorierst mich kleiner Spatz? Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Aber natürlich. Sind die Menschen erst allesamt ausgerottet, muss du kleiner Spatzenmann ja trotzdem für ein behagliches Heim und für deine Lieben sorgen. Schlaues Vögelchen. Ach wäre die Menschhkeit nur halb so clever wie du mein kleiner Spatz.